Wem gehört die Stadt

Wem gehört die Stadt

Eine Plakatausstellung im öffentlichen Raum
Ein Projekt von Schneeeule
Plakatwände befinden sich an den unterschiedlichsten Orten: in der Umgebung von Haltestellen, in Wohn- oder Industriegebieten, in Einfahrten, neben Supermärkten oder Parkplätzen. Wem gehört die Stadt? ist eine Ausstellung im öffentlichen Raum. Die beteiligten Künstler*innen beschäftigen sich auf verschiedenste Weise mit diesem Raum, seiner Nutzung, den soziokulturellen Bedingungen und der gebauten Architektur. Die Abbildungen auf den Plakatwänden werfen auch die Frage nach genau diesem Medium auf. Was ist üblicherweise auf Plakatwänden zu sehen? Werbung ist darauf willkommen. Eine Nutzung als Ort für eine Kunstausstellung ist jedoch mit Hürden verbunden. Auch hier stellt sich die Frage: Wem gehört die Stadt?

Die von Vlad Brăteanu gestaltete Plakatwand trägt die Aufschrift „Die Container sind immer grüner auf der anderen Seite“. Er bezieht sich damit einerseits auf die Container direkt hinter der Plakatwand und andererseits auf die Container auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Diese grünen Container werden von den Arbeiter*innen der Baustelle von HEY Charlottenburg genutzt. HEY baut zahlreiche Eigentumswohnungen, die mit Slogans wie „Grüne Oase“ beworben werden. Im Norden von Charlottenburg gibt es aktuell eine hohe Armutsrate. Dieses Wohnprojekt wird zu einer großen sozialen Unausgewogenheit führen.

Pfützen kommen und gehen. Mal anwesend, mal abwesend, entstehen sie jedoch nicht an beliebigen Stellen als zufällige Wasseransammlungen. Pfützen haben feste Orte, die sie bewohnen und mitgestalten. Sie sind immer auch die Mulde, die Senke, die Rille oder das Loch, in denen sie sich einnisten. Mirja Busch beschäftigt sich seit langer Zeit mit Pfützen. Auf zwei Plakatwänden ist jeweils ein Foto desselben Hinterhofs zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu sehen: Eines davon zeigt eine anwesende Pfütze, das andere die abwesende Trockenpfütze. Mirja Buschs Fotografien eröffnen den Betrachter*innen eine neue Perspektive auf Wasser in der Stadt und fördern eine neue Aufmerksamkeit und Wertschätzung für Pfützen.

Für seine Serie Ephemeral Sculptures (dt. vergängliche Skulpturen) sammelt Leonardo Flores Beobachtungen aus dem Alltagsleben. Seine Fotografien entstehen an unterschiedlichen Orten auf der Welt. Die kurzlebigen Skulpturen sind Spuren menschlicher Interaktion mit Alltagsgegenständen im urbanen Raum. Es sind zufällige Konstellationen und flüchtige Details, die unbeabsichtigt entstanden sind. Die Fotografie auf der Plakatwand zeigt ein rundes Fladenbrot auf Asphalt. Es wirkt fast wie ein Planet im Weltall.

Lena Maria Looses Fotografie eröffnet einen Ausblick auf die Rummelsburger Bucht, wie sie heute nicht mehr existiert. Dieser Ort wurde von unterschiedlichen Menschen bewohnt, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum und nach Freiraum waren. Sie ließen sich dort nieder und schufen sich ein Zuhause. Inzwischen haben Privatisierung und Spekulationen dazu geführt, dass sie verdrängt wurden. Die Fotografie zeigt die Bucht sowie die selbstbestimmte Lebensweise der Menschen in ihren improvisierten Bauten auf dem Wasser.

Fabian Schubert bezieht sich auf die unmittelbare Umgebung der Plakatwand. Diese befindet sich vor einem Heizkraftwerk. Die Fotocollage zeigt die Schornsteine des Kraftwerks. In der Umgebung befindet sich zudem eine weitere Plakatwand, die nicht mehr für Werbezwecke genutzt wird. Auch sie ist auf Fabian Schuberts Bild zu sehen. Auf der Fotocollage erscheint darauf erneut eine Abbildung der Schornsteine, die jedoch mittels künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Somit greift Schubert auf eine Technik zurück, die auch von der Werbeindustrie genutzt wird und reflektiert über die Sinnhaftigkeit ihrer Botschaften.

Die Ausstellung fand im August 2026 an verschiedenen Plakatwänden in Charlottenburg-Nord statt. Sie wurde von Silke Nowak kuratiert, von der auch der Text stammt.
Fotos: Documentation works
Mo, 09/21/2026 - 20:15
Kurzbeiträge

Einwürfe

Karten zur Erinnerung an den deutschen Kolonialismus Moses März im Gespräch über seine visuellen Kartierungen.
Fragebogen/Questionnaire/Kwestionariusz Jemand schrieb einmal: Unsere Beziehungen zu Städten gleichen unseren Beziehungen zu Menschen. Was meinen Sie?
Vom Rande aus: Kamen Esra Canpalat geht dem "Am Rande sein" im doppelten Sinn nach - in der Peripherie der Ruhrgebiets und im Gefühl des Nicht-Dazugehörens.

Fundsachen

Gefährten* Eine Serie von Stoffbeuteln, hergestellt aus Stoffen aus der VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt, fotografiert von Lysann Nemeth.
Malheur Couleur Die Farbe Weiß weckt zuallererst Assozia
Sechser Inflationär verbreitet: gepinselte Sechsen auf temporärem Stadtmobiliar. 

Straßenszenen

Wem gehört die Stadt Ein Ausstellung von Schneeeule auf Berliner Plakatwänden
Untitled History Anna-Lena Wenzel über die Arbeit "Untitled History" von Eske Schlüters und Tillmann Terbuyken im Hamburger Alten Elbpark
Ist das Kunst oder Vogelschutz? Mit ihren "Cuts" bearbeitet Birgit Hölmer Schaufenster und gibt im Gespräch mit Elke Fallat Einblicke in ihre Arbeitsweise und Motivation.

So klingt

Detroit Kathrin Wildner schickt eine Soundpostkarte aus Detroit
ein Denkmal Sabine Ercklentz und Justin Time bringen mit "Denkmal streicheln - Denkmal hören" Denkmäler zum Klingen.
Cemal Kemal Altun Entlang der Berliner Hardenbergstraß

So lebt

Sorge „Sorge“: meine Platte, meine Heimat,
(e) es sich in der Schule der Arbeit Ute Richter deckt mit ihrer künstlerischen Forschung ein vergesenes Kapitel der emanzipatorischen Erwachsenenbildung in Leipzig auf.
man nicht mehr im Prenzlauer Berg Das war einmal: der Prenzlauer Berg im Jahr 1991, erinnert von Jo Preußler