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Megaurbanophil

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Interview mit Denis Schäfer 


In deinen Collagen und Fotografien spielt die Stadt eine wichtige Rolle. Ich habe als wiederkehrende Motive Hochhäuser und Brücken ausgemacht - also Dichte und Mobilität. Was verstehst du unter Urbanität?

 

Urbanität ist für mich architektonischer Raum, der von Menschen für Menschen geschaffen wurde. Urbanität ist auch die Vielseitigkeit und Verfügbarkeit von Möglichkeiten und Dingen, die Menschen in einer Stadt geboten bekommen. Die Selbstverständlichkeit, dass aus jedem Wasserhahn frisches klares Wasser fließt, egal wie weit, wie hoch oder tief ein Anschluss in einem städtischen Netz installiert ist, ist ebenfalls Urbanität.


Oft entsteht durch diesen Fokus auf Architektur und Infrastruktur ein unwirtlicher Eindruck dieser Städte. Die Stadt wird wie in dem Film „Metropolis“ von Fritz Lang (1926) zu einer Art gesichtsloser Maschine. Ist das gewollt? Was ist im Gegenzug das Positive an der Stadt?

 

Die Frage ist auch, inwieweit sich Städte architektonisch, ökonomisch und kulturell immer weiter angleichen. Es sind zum Großteil immer die gleichen Architekten, die Prestigebauten planen, es sind immer die gleichen Fastfood- und Modeketten, Technik- und Drogeriemärkte, die das ewig gleiche millionenfach verkaufen und die immer gleichen Shopping Malls bevölkern. Die Stadt ist noch keine gesichtslose Maschinenstadt, aber sie entwickelt sich rasant dorthin. Die Stadt bietet Menschen eine Verfügbarkeit im Gesundheits-, Sozial-, Kunst- und Kultur-,Rechts- und Sicherheitswesen. Dinge, die der Mensch benötigt und Dinge, die ihm das Leben lebenswerter machen.


In einigen jüngeren Collagen tauchen zusehends Gärten und Menschen auf. Wie hat sich deiner Meinung nach das Verständnis und das Aussehen der Städte verändert?

 

In meinen Arbeiten versuche ich mich aktuellen Themen zu nähern. Was bedeutet Gentrifizierung für ein Stadtviertel einer Stadt oder wie wird sich der Stadttourismus entwickeln und wie wird die Lebensqualität in der Stadt in Zukunft sein? Wo werden die Bürger in den berühmten Städten Europas in Zukunft leben: In einer toten, musealisierten touristischen Innenstadt oder in lebendigen und kreativen Stadtquartieren an den Rändern der Metropolen?

Mich beschäftigen diese Fragen sehr und ich versuche verschiedene Möglichkeiten in meinen Papiercollagen darzustellen.

 

Warum hast du die Ausstellung Megaurbanpolis genannt? Eine Kombination mehrerer sehr starken Begriffe…


Es dreht sich heute alles um den Superlativ. Größter Flughafen, größtes Fußballstadion oder das größte Bürogebäude aller Zeiten. Heutzutage ist vieles mega und so soll es auch bei der Collagenserie MEGAURBANPOLIS sein.

 

Wo findest du deine Motive? Hat sich dein Blick auf und dein Gang durch die Stadt, seit dem du sie auf Fotomotive durchstreifst, verändert?


Ich mag Architektur und das Stadtleben. Ich sammele schon seit vielen Jahren Abbildungen aus Zeitungen und Magazinen von Gebäuden und Situationen, die mich in besonderer Weise ansprechen. Diese Schnipsel sind die Grundlage für meine Papiercollagen. Das Erstellen von Städten, Orten und Landschaften in meinen Collagen lassen mich in Kontakt mit dieser Materie kommen. Es gibt so viel außergewöhnliche und tolle Architektur und Gebäude in der Welt und ich mag es sie zusammenzubringen, neue Stadträume zu erschaffen und die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen.

Als ich 2006 von Berlin nach München gezogen bin, habe ich meine erste Collage an einem kalten und dunklen gemütlichen Winterabend erstellt. Seitdem hat sich die Leidenschaft für

die Arbeit mit Schere, Papier und Kleber verselbständigt. Wichtig ist mir dabei, dass die Teile von völlig unterschiedlichen Quellen zusammenpassen und in eine Beziehung zueinander gestellt werden können. Je mehr Teile in der Perspektive, Proportion und Farbe zusammenpassen, desto interessanter ist für mich die Arbeit.

Manchmal dauerte es eine lange Zeit, bis eine Collage fertiggestellt ist. Jeder Schnipsel ist in der Regel nur einmal vorhanden und jede Collage ist einzigartig. Durch die Arbeit gehe ich mit einem weitaus offeneren Blick durch Städte, und manchmal komme ich mir wie in einer Collage von mir vor.


Hast du eine Lieblingsstadt?


Ich habe nicht wirklich eine Lieblingsstadt. Ich habe schon in mehreren Großstädten gewohnt und viele Metropolen bereist, aber ich denke, Berlin ist eine dynamische, kreative und junge Stadt, wo die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und für mich ein guter Ort ist zu leben.

 

Das Interview entstand anlässlich der Ausstellung „Megaurbanpolis“ im Schillerpalais in Berlin vom 16. bis 21. November 2013.

 

http://www.fotografienet.de

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