...man auf der Brache

...man auf der Brache

Text: Anna-Lena Wenzel Fotos: Philipp Poell und Anna-Lena Wenzel

In Hamburg fing alles mit einer selbstgezimmerten Hütte an, die die Künstlergruppe ‚marnic circus‘ 2011 auf einer Brachfläche an der Ecke Stresemannstr/Kieler Str. in Hamburg errichtete. Das Gelände, das sich seit der Verhaftung des Immobilienverwalters Burim Osmani in einer rechtlichen Grauzone befindet, ist zwar umzäunt, aber an mehreren Stellen begehbar. Mit der Zeit verstetigten sich die Besuche der Partygäste vom gegenüberliegenden Club, zog jemand in das Häuschen ein, kamen weitere Zelte, Bauwagen und Häuschen hinzu. Mittlerweile leben auf dem Areal zwischen 30 und 35 Personen. Es werden regelmäßig Plena veranstaltet und gemeinsam Versuche unternommen, die drohende Räumung zu umgehen. Denn das Grundstück befindet sich heute im Besitz der Hanseatic Holding AG, die dort Studentenwohnungen, ein Appartment-Haus und Gewerberäume bauen will.

 

Auch in Berlin ist die stadtbekannte und ebenfalls bewohnte Brachfläche an der Cuvrystraße in Kreuzberg von der Räumung bedroht. Die Münchner Ritter-Holding stellte im Juli ihre Bebauungspläne vor – und wurde lautstark ausgebuht. Momentan läuft für das Areal ein „vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren“ bei der Verwaltung für Stadtentwicklung.

Die Bewohnung und Nutzung des Geländes begann 2012, nachdem die Nutzung der Brache für das Guggenheim Lab gescheitert war. Seitdem haben sich Zelte und kleine Häuschen angesammelt und auch ein Künstler ist wieder dabei: Yukihiro Taguchi hat eine Holzhütte errichtet, deren Entstehungsprozess er in einem Video dokumentierte und in der Ausstellung „Open Monument – vergängliche Denkmäler im öffentlichen Raum“ im Kunstraum Kreuzberg zeigte.

 

Beiden Brachen ist gemeinsam, dass sie in ihrer Offenheit Widersprüche in sich vereinen, weil sich hier verschiedenste Nutzer und Interessen versammeln, aber auch, weil hier privater Raum unmittelbar auf öffentlichen Raum trifft. Das merkt man sofort, wenn man sich auf dem Gelände bewegt. Darf man hier Fotos machen oder dringt man damit zu sehr in die Privatsphäre der Bewohner_innen ein? Ab wann kippen erwünschte Neugierde und Partizipation um in aufdringliches Stöbern? Die Fotos bleiben deshalb bewusst in der Distanz und geben doch einen Eindruck von den Aneignungsmöglichkeiten öffentlicher Räume.

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